Der Maestro ließ bitten….

Konzert des Blasorchester Dürscheid am 01. April 2017 anlässlich des 40- jährigen Dirigenten-Jubiläums von Christian Wiedemann in der Aula des Schulzentrums Herkenrath

Das alljährliche sinfonische Konzert des Dürscheider Orchesters stand am Wochenende ganz unter dem Motto „Der Maestro lässt bitten“: 40 Jahre lang hat Christian Wiedemann bisher das BOD geleitet und es geschafft, die Laienmusiker aus dem kleinen Dorf Dürscheid seit 1977 als Höchststufen-Orchester zu etablieren!

Es versteht sich von selbst, dass die Stückauswahl zu diesem besonderen Event ganz alleine in seiner Hand lag… Vor erfreulich gut besuchten Zuschauerreihen eröffnete das Orchester den Abend mit der „English Folk Song Suite“ von R. Vaughan William. Im Anschluss daran folgte die „Schottische Suite“, ein Werk, das von Christian Wiedemann selbst komponiert wurde und einige bekannte Themen schottischer Volksweisen beinhaltet zum Beispiel die gerade in unseren Breiten so beliebte Stadionhymne des FC Köln – die, entgegen der Meinung vieler FC Anhänger- nicht von den „Höhnern“  erdacht und arrangiert sondern bereits im 19. Jahrhundert in Schottland als Volksweise gesungen wurde! Neben diesem Heimatlied über den See Loch Lomond durften bei einer schottischen Suite natürlich auch Themen wie die Dudelsackpfeifer oder die Tragödie von Mary Stuart nicht fehlen. Die drei Sätze dieser Suite spiegelten sehr eindringlich viele Nuancen der schottischen Seele wider.

Wolfgang Weber, der gewohnt unterhaltsam durch das Programm führte, hatte sich zu diesem besonderen Konzert auch etwas Besonderes ausgedacht: ein Interview mit Christian Wiedemann auf der Bühne! „Warum bist du so ein Fan von britischer Musik?“ lautete, nach den beiden ersten Stücken, folglich die erste Frage des Interviewers an den Dirigenten und Komponisten. Höchst unterhaltsam erklärte Christian dann, dass gerade die Vielseitigkeit der Musik von der Insel ihn schon immer fasziniert habe. Im Hinblick auf das nun folgende Stück, das „Finale der Sinfonie Nr. 1“ von Gustav Mahler gab Christian dann unumwunden zu, dass er nur aufgrund seines Dirigenten-Jubiläums bei der Stückauswahl zu diesem Konzert völlig freie Hand gehabt habe. Ansonsten hätte es sicher Widerstand gegen diese Sinfonie aufgrund des Schwierigkeitsgrades gegeben…

Die nächsten ca. 25 Minuten konnte sich das Publikum hiervon dann selbst überzeugen: irrwitzige Tempi, unzählige Sechzehntel-Läufe in unterschiedlichsten Tonarten wechseln sich mit sehr stimmungsvollen, solistischen Passagen ab. Jedem einzelnen Musiker wird bei diesem Stück von der Fingerfertigkeit bis zum Ansatz alles abverlangt! Alleine an diesem Stück wurde vom Orchester seit November geprobt. Nicht wenige unter uns waren noch vor wenigen Wochen davon überzeugt, dass dieses Stück für uns nicht spielbar ist: ein Stück, das, abgesehen von seiner Uraufführung in dieser Version für Blasorchester noch nie irgendwo in der Welt gespielt worden ist?! Aber wie schon so oft kann man sich auch diesmal auf unseren Dirigenten und sein Händchen für die Stückauswahl verlassen: während der letzten Wochen und speziell nach dem Probewochenende habe selbst ich die Schönheit dieser Sinfonie erkannt und das Stück zu mögen begonnen…. Der stürmische Beifall des Publikums nach dem Abwinken zeigte dann glücklicherweise, dass sämtliche Mühen sich gelohnt haben und unser Publikum diese Musik zu schätzen weiß!

Nach der Pause, in der sich Publikum und Musiker mit Getränken und Snacks stärken konnten, begann der zweite Teil des Abends, der einen Querschnitt durch das Repertoire des Blasorchesters der letzten 40 Jahre bot: beginnend mit „El Camino Real“ von A. Reed, einem unserer Lieblingsstücke, welches den 970 km langen historischen „Königsweg“ beschreibt, der die kalifornischen Missionsstationen miteinander verband.

Wir sind sehr stolz darauf, dass sich zwei prominente Politiker bereit erklärten, anlässlich des Dirigentenjubiläums ein paar Worte zum Publikum zu sagen;

 

Nachdem zunächst MdL Rainer Deppe sehr schöne Worte über die Arbeit von Christian Wiedemann gefunden hatte, würdigte auch Wolfgang Bosbach auf äußerst humorvolle Art den Jubilar und sein Werken während der letzten vierzig Jahre! Der tosende Applaus nach beiden Vorträgen sprach für sich….

Die Zuschauer, die sich bis dahin über den großen Flügel auf der Bühne gewundert haben (ein Flügel in einem Blasorchester?), wurden nun aufgeklärt: Kathrin Schmitt als Pianistin führte mit uns zusammen zunächst die „Tarantella“ von L. M. Gottschalk und dann den „Danzon Nr.2“ von A. Marquez auf. Beide Werke verlangten Solistin und Orchestermusikern alles ab. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Schmitt für ihre Unterstützung.

Den Abschluss des offiziellen Programms bildeten dann zwei „alte Schätzchen“ des Blasorchesters: bei „Trumpet Blues and Cantabile“ von H. James durfte unser überragender Trompetensatz zeigen, was in ihm steckt! Glasklare Töne im obersten Register waren zu hören und alle Teilnehmer sind tatsächlich Eigengewächse, d.h. hier war keine einzige Aushilfe vonnöten… Die „Krimithemen“ von dem kürzlich verstorbenen H.-J. Rhinow wurden wirklich schon zu Beginn von Christian Wiedemanns Dirigat vom Orchester gespielt. Melodien aus „Maigret“, „Stahlnetz“ oder „77 Sunset Strip“ hat sicherlich jeder wiedererkannt. Der Beifall nach diesem Stück war jedenfalls groß. Es gab an diesem Abend sehr viele zu Herzen gehende Melodien, Ansprachen und Eindrücke; der emotionalste Augenblick des Abends war aber ganz bestimmt der Moment, als Christians Vorgänger, Willi Rupp, sich von seinem Platz im Publikum erhob, spontan zum Dirigentenpult nach vorne kam und Christian gratulierte! Welch eine Würdigung für unseren Dirigenten! Da hatten ganz viele von uns Gänsehaut pur!

Weil der Jubel nun keine Grenzen mehr kannte, gab es noch zwei weitere Zugaben für die Zuhörer: zunächst den weltbekannten Popsong der Brüder Ryan „Eloise“ und abschließend das Titelthema „Gonna Fly now“ zum ersten „Rocky“ Film mit Sylvester Stallone, einem Film der in diesem Jahr tatsächlich genau 40 Jahre alt geworden ist.

Das Publikum gab uns standing ovations und wir alle genossen diesen Moment, der uns doch zeigte, dass alle Mühen der letzten Monate sich wirklich gelohnt haben. Und für unseren Dirigenten war es die Würdigung seiner Arbeit in den letzten 40 Jahren! Dankeschön von uns, Christian!