„Legends and Fantasy“

Da uns aus organisatorischen Gründen die Aula das Gymnasiums Herkenrath dieses Jahr nicht zur Verfügung stand, mussten wir unser Konzert in der Dürscheider Mehrzweckhalle durchführen. Sicherlich gab es diverse Bedenken unter uns Musikern, z.B. bezüglich der Akustik oder ob das Publikum den „Umzug“ mitmachen würde?! Umso positiver war die Überraschung, als am Samstagabend ein großer Andrang am Eingang herrschte; eifrig wurden zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt, und den Musikern bot sich ein wunderbares Bild von der voll besetzten Halle!

Doch zuerst durften unsere jüngsten Musiker auf  die Bühne: der Spielkreis unter dem neuen Leiter Roland Pütz hat sich ein völlig neues Repertoire erarbeitet. Von der „Farandole“ über die Titelmelodien von „Men in Black“ und „Rocky (Eye of the Tiger)“ bis hin zu einer Variation von „Smoke on the Water“ der Rockband Deep Purple überzeugten uns die jungen Musiker und erhielten zu Recht tosenden Beifall des Publikums. Insbesondere die frische Moderation des Duos Katja und Marco verlieh dem Auftritt des Jugendorchesters einen beinahe professionellen Anstrich. Herzlichen Dank an alle Kinder und besonders natürlich an Roland für die tolle Arbeit seit einem halben Jahr!

Das Blasorchester, wie immer unter der Leitung von Christian Wiedemann, begann seinen Vortrag mit dem Marsch „Aurum“ von Bert Appermont. Dieser Marsch wurde anlässlich des 50-jährigen Dirigenten-Jubiläums der Stadtkapelle Wolfach (Baden-Württemberg) komponiert; nach 50-jährigem Dirigat darf man wohl von einer „Legende“ sprechen...... Die nächsten Stücke machten es unserem - wie immer charmanten - Moderator Wolfgang Weber dann etwas einfacher bezüglich der Ansage: mit der „John Williams Fantasy“, „Pinocchio“ von Alex Poelman und „The Monk and the Mills“ von Thomas Doss hatte Dirigent Christian Wiedemann drei Stück ausgesucht, die dem Thema „Legends and Fantasy“ voll gerecht wurden; in der „John Williams Fantasy“ werden Themen aus Filmen wie z.B. „ET“ und „Star Wars“ musikalisch dargestellt. Bei „Pinocchio“ wird das uns allen bekannte Märchen von der Holzpuppe, die ein richtiger Junge werden möchte, von den Musikern nacherzählt: neben Pinocchio tauchen natürlich Gepetto, der Vater, die gute Fee, aber auch die bösen Katze und Fuchs auf. Die Legende vom „Mönch und den Mühlen“ ist hierzulande dagegen nicht sehr bekannt: in einem kargen, dunklen Mühltal sind die Menschen freudlos und schwermütig. Erst ein Mönch, der die Menschen das Singen lehrt, bringt wieder Freude und Sonne in das Tal. Das Stück beginnt tatsächlich sehr schwermütig, doch nach einem Mittelteil, in dem wir Musiker teilweise nicht spielten, sondern sangen, entwickelt sich zum Schluss hin ein wunderbarer Choral. Unser Publikum ließ sich sehr gerne von uns mit auf diese Reise in das Land der Phantasie mitnehmen, wie uns der tosende Applaus zur Pause bewies.

Nach der 20-minütigen Pause, in der die Zuschauer sich zahlreich an den vorbereiteten Snacks und vor allem den kalten Getränken labten, eröffnete das BOD den zweiten Teil des Konzerts mit dem norwegischen Konzertmarsch „Valdres“. Das nächste Stück war dann sicherlich einer der Höhepunkte des Abends: „Godzilla eats Las Vegas“ von Eric Whitacre lässt die Zuhörer teilhaben an dem Horrorszenario der Zerstörung einer Metropole durch eine mutierte Großechse! Während in Las Vegas in den Salons gepflegte Tanzmusik gespielt wird, nähert sich das Grauen in Gestalt von Godzilla. Das Publikum fiebert mit den Einwohnern von Vegas mit, die die Gefahr noch gar nicht erkannt haben, muss das ängstliche Gebell eines Hundes mit anhören (Danke Alfons!)  und spürt das Beben der Erde durch die sich nähernde Echse. Soldaten marschieren auf und der Kampf mit dem Reptil wird ein Kampf auf Leben und Tod, während im Konzertsaal der weltberühmte Pianist Liberace ein Konzert gibt. Nach dem fulminanten Finale herrscht plötzliche Stille, ein Pianist spielt entspannte Lounge-Musik und die Musiker feiern auf der Bühne den Sieg über Godzilla. Dies ist wahrscheinlich das einzige Musikstück auf der Welt, bei der in den Noten der Musiker steht, dass zur Feier des Sieges nunmehr mit den Champagnergläsern angestoßen werden soll!!!! Wir haben es nicht gewagt, diese Anweisung zu ignorieren…. Leider dürfen die Menschen in Las Vegas sowie auch unsere Zuhörer sich nicht ganz sicher sein, ob die Echse tatsächlich tot ist; wieder hört man in der Ferne ein leises Donnern….

Nach dieser emotional aufwühlenden Geschichte folgte das Kontrastprogramm: Blasorchester goes Rock! Das Medley „Symphonic Rock“ von Gilbert Tinner verknüpft weltbekannte Songs der Gruppenlegenden „Queen“ und „Genesis“ zu einem Trip durch die Rockwelt der 70-er und 80-er Jahre. Noch etwas weiter zurück liegen die Welterfolge der Gruppe „Deep Purple“, die bereits 1968 gegründet wurde und bis heute als Pionier des Hardrock gilt. Vielen Dank an dieser Stelle an die jungen Herren am E-Bass und der E-Gitarre, die den typischen Rock-Sound für uns erst möglich machten.

Mein ganz persönliches Highlight an diesem Abend war der nun folgende Song „McArthur Park“ in einem Arrangement von G. Buitenhuis. Nach einer temporeichen Einleitung folgt im Mittelteil eine wunderbare Ballade als Flügelhorn-Solo von Thomas: die schmeichelnden Töne erzeugten tatsächlich Gänsehaut pur! Bei solch einem zu Herzen gehenden Musikstück bin ich echt stolz, mitspielen zu dürfen….

Nach der Zugabe „Joropo“  nach Johan de Meij durften wir uns über den großen Beifall des Publikums freuen, das sich sicher noch die eine oder andere weitere Zugabe gewünscht hätte.

Erfreulicherweise war es in Dürscheid anders als in den letzten Jahren in Herkenrath: während dort die Zuhörer nach dem Konzert rasch die Halle verließen, durften wir uns „zuhause“ über zahlreiche Zuhörer freuen, die bereitwillig noch das ein oder andere Getränk zu sich nahmen, bevor sie nach Hause gingen…