Der Maestro ließ bitten….

Konzert des Blasorchester Dürscheid am 01. April 2017 anlässlich des 40- jährigen Dirigenten-Jubiläums von Christian Wiedemann in der Aula des Schulzentrums Herkenrath

Das alljährliche sinfonische Konzert des Dürscheider Orchesters stand am Wochenende ganz unter dem Motto „Der Maestro lässt bitten“: 40 Jahre lang hat Christian Wiedemann bisher das BOD geleitet und es geschafft, die Laienmusiker aus dem kleinen Dorf Dürscheid seit 1977 als Höchststufen-Orchester zu etablieren!

Es versteht sich von selbst, dass die Stückauswahl zu diesem besonderen Event ganz alleine in seiner Hand lag… Vor erfreulich gut besuchten Zuschauerreihen eröffnete das Orchester den Abend mit der „English Folk Song Suite“ von R. Vaughan William. Im Anschluss daran folgte die „Schottische Suite“, ein Werk, das von Christian Wiedemann selbst komponiert wurde und einige bekannte Themen schottischer Volksweisen beinhaltet zum Beispiel die gerade in unseren Breiten so beliebte Stadionhymne des FC Köln – die, entgegen der Meinung vieler FC Anhänger- nicht von den „Höhnern“  erdacht und arrangiert sondern bereits im 19. Jahrhundert in Schottland als Volksweise gesungen wurde! Neben diesem Heimatlied über den See Loch Lomond durften bei einer schottischen Suite natürlich auch Themen wie die Dudelsackpfeifer oder die Tragödie von Mary Stuart nicht fehlen. Die drei Sätze dieser Suite spiegelten sehr eindringlich viele Nuancen der schottischen Seele wider.

Wolfgang Weber, der gewohnt unterhaltsam durch das Programm führte, hatte sich zu diesem besonderen Konzert auch etwas Besonderes ausgedacht: ein Interview mit Christian Wiedemann auf der Bühne! „Warum bist du so ein Fan von britischer Musik?“ lautete, nach den beiden ersten Stücken, folglich die erste Frage des Interviewers an den Dirigenten und Komponisten. Höchst unterhaltsam erklärte Christian dann, dass gerade die Vielseitigkeit der Musik von der Insel ihn schon immer fasziniert habe. Im Hinblick auf das nun folgende Stück, das „Finale der Sinfonie Nr. 1“ von Gustav Mahler gab Christian dann unumwunden zu, dass er nur aufgrund seines Dirigenten-Jubiläums bei der Stückauswahl zu diesem Konzert völlig freie Hand gehabt habe. Ansonsten hätte es sicher Widerstand gegen diese Sinfonie aufgrund des Schwierigkeitsgrades gegeben…

Die nächsten ca. 25 Minuten konnte sich das Publikum hiervon dann selbst überzeugen: irrwitzige Tempi, unzählige Sechzehntel-Läufe in unterschiedlichsten Tonarten wechseln sich mit sehr stimmungsvollen, solistischen Passagen ab. Jedem einzelnen Musiker wird bei diesem Stück von der Fingerfertigkeit bis zum Ansatz alles abverlangt! Alleine an diesem Stück wurde vom Orchester seit November geprobt. Nicht wenige unter uns waren noch vor wenigen Wochen davon überzeugt, dass dieses Stück für uns nicht spielbar ist: ein Stück, das, abgesehen von seiner Uraufführung in dieser Version für Blasorchester noch nie irgendwo in der Welt gespielt worden ist?! Aber wie schon so oft kann man sich auch diesmal auf unseren Dirigenten und sein Händchen für die Stückauswahl verlassen: während der letzten Wochen und speziell nach dem Probewochenende habe selbst ich die Schönheit dieser Sinfonie erkannt und das Stück zu mögen begonnen…. Der stürmische Beifall des Publikums nach dem Abwinken zeigte dann glücklicherweise, dass sämtliche Mühen sich gelohnt haben und unser Publikum diese Musik zu schätzen weiß!

Nach der Pause, in der sich Publikum und Musiker mit Getränken und Snacks stärken konnten, begann der zweite Teil des Abends, der einen Querschnitt durch das Repertoire des Blasorchesters der letzten 40 Jahre bot: beginnend mit „El Camino Real“ von A. Reed, einem unserer Lieblingsstücke, welches den 970 km langen historischen „Königsweg“ beschreibt, der die kalifornischen Missionsstationen miteinander verband.

Wir sind sehr stolz darauf, dass sich zwei prominente Politiker bereit erklärten, anlässlich des Dirigentenjubiläums ein paar Worte zum Publikum zu sagen;

 

Nachdem zunächst MdL Rainer Deppe sehr schöne Worte über die Arbeit von Christian Wiedemann gefunden hatte, würdigte auch Wolfgang Bosbach auf äußerst humorvolle Art den Jubilar und sein Werken während der letzten vierzig Jahre! Der tosende Applaus nach beiden Vorträgen sprach für sich….

Die Zuschauer, die sich bis dahin über den großen Flügel auf der Bühne gewundert haben (ein Flügel in einem Blasorchester?), wurden nun aufgeklärt: Kathrin Schmitt als Pianistin führte mit uns zusammen zunächst die „Tarantella“ von L. M. Gottschalk und dann den „Danzon Nr.2“ von A. Marquez auf. Beide Werke verlangten Solistin und Orchestermusikern alles ab. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Schmitt für ihre Unterstützung.

Den Abschluss des offiziellen Programms bildeten dann zwei „alte Schätzchen“ des Blasorchesters: bei „Trumpet Blues and Cantabile“ von H. James durfte unser überragender Trompetensatz zeigen, was in ihm steckt! Glasklare Töne im obersten Register waren zu hören und alle Teilnehmer sind tatsächlich Eigengewächse, d.h. hier war keine einzige Aushilfe vonnöten… Die „Krimithemen“ von dem kürzlich verstorbenen H.-J. Rhinow wurden wirklich schon zu Beginn von Christian Wiedemanns Dirigat vom Orchester gespielt. Melodien aus „Maigret“, „Stahlnetz“ oder „77 Sunset Strip“ hat sicherlich jeder wiedererkannt. Der Beifall nach diesem Stück war jedenfalls groß. Es gab an diesem Abend sehr viele zu Herzen gehende Melodien, Ansprachen und Eindrücke; der emotionalste Augenblick des Abends war aber ganz bestimmt der Moment, als Christians Vorgänger, Willi Rupp, sich von seinem Platz im Publikum erhob, spontan zum Dirigentenpult nach vorne kam und Christian gratulierte! Welch eine Würdigung für unseren Dirigenten! Da hatten ganz viele von uns Gänsehaut pur!

Weil der Jubel nun keine Grenzen mehr kannte, gab es noch zwei weitere Zugaben für die Zuhörer: zunächst den weltbekannten Popsong der Brüder Ryan „Eloise“ und abschließend das Titelthema „Gonna Fly now“ zum ersten „Rocky“ Film mit Sylvester Stallone, einem Film der in diesem Jahr tatsächlich genau 40 Jahre alt geworden ist.

Das Publikum gab uns standing ovations und wir alle genossen diesen Moment, der uns doch zeigte, dass alle Mühen der letzten Monate sich wirklich gelohnt haben. Und für unseren Dirigenten war es die Würdigung seiner Arbeit in den letzten 40 Jahren! Dankeschön von uns, Christian!

40 Jahre Dirigent eines Orchesters: was für ein Jubiläum! Ein halbes Leben heutzutage! Als Christian Wiedemann 1977 die musikalische Leitung des Blasorchesters übernahm, war er gerade mal 22 Jahre alt. Nach dem Weggang des bisherigen Dirigenten, Herrn Willi Rupp, schien die Zukunft der ehemaligen Schützenkapelle Dürscheid damals eher fraglich: Es fehlte plötzlich nicht nur der über die Grenzen Kürtens hinaus bekannte Dirigent Willi Rupp, seines Zeichens Solo-Klarinettist beim WDR Orchester, sondern mit ihm verließen auch weitere verdiente Musiker das Orchester. Es gab diverse Kandidaten, die für die Stellung des Dirigenten vorsprachen und versuchsweise Proben abhielten; Leider erfüllte keiner der Kandidaten die Vorstellung von Vorstand und Mitgliedern …..

Im Vorstand hatte man letztendlich die Idee, dem jungen Flötisten aus der eigenen Jugend, Christian Wiedemann, das Dirigat anzutragen: Dieser Schritt erwies sich jedenfalls als Traumlösung! Mit dem Blasorchester Dürscheid von Kind an vertraut, als Flötist und Dirigent musikalisch selbst auf allerhöchstem Niveau agierend und sicher in Musikauswahl und Personalführung, erwies sich Christian als absoluter Glücksgriff über die gesamte Spanne von nunmehr 40 Jahren!

Christian Wiedemann wurde 1955 in Lüdenscheid geboren. Mit seinen Eltern, beide mit ihren Familien aus Schlesien vertrieben, und zwei jüngeren Brüdern zog er im Kindesalter nach Kürten- Dürscheid. Der Vater, selbst ambitionierter Mandola- Spieler, machte seine Söhne schon frühzeitig mit diversen Musikinstrumenten, z.B. Klavier, bekannt. Er träumte von einem Familien-Ensemble, daher sollte jeder Sohn ein anderes Instrument beherrschen. Auch Mutter Wiedemann ist musisch sehr begabt: Sie spielt zwar kein Instrument, singt aber nach wie vor sehr gerne und liebt vor allem die Malerei.

Dass Christian außergewöhnlich musikalisch war, bemerkte seine Tante bereits im frühesten Kindesalter: Der kleine Christian im Laufstall konnte zwar noch nicht sprechen, aber volkstümliche Evergreens wie „Mein Vater war ein Wandersmann“ vom Plattenspieler im Raum konnte er nach kürzester Zeit einwandfrei nachsummen. Ziemlich ungewöhnlich für ein Kleinkind….

In der Grundschule begann Christian mit dem Blockflöten-Unterricht, kurz danach folgten zusätzlich Klavierstunden; Auch an der Gitarre übte er sich. Zusammen mit seinen jüngeren Brüdern Andreas und Georg erhielt Christian diverse Instrumentalunterrichte. Auf dem Gymnasium schließlich entschied Christian sich für die Querflöte, während Andreas sich am Horn und Georg an der Klarinette ausbilden ließ. Schon in diesem jungen Alter hatte Christian sich für eine Karriere als Musiker entschieden. Noch während der Abiturphase bereitete sich Christian auf die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Köln als Jungstudent vor; Dies wäre kein Vollstudium gewesen und sollte lediglich als Vorbereitung auf das eigentliche Studium dienen. Stattdessen schlug sein Dozent an der Rheinischen Musikschule vor, doch direkt die Aufnahmeprüfung für das Vollstudium abzulegen! Und so legte Christian während der Abiturprüfungen mal eben auch noch seine Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule im Hauptfach Querflöte/ Nebenfach Klavier mit großem Erfolg ab.

Neben den Instrumental-Studien interessierte sich Christian auch für Komposition und Dirigat. Was sicher die meisten von uns nicht wissen: Diese beiden Fächer gehörten nicht zu seinem Studium, also arbeitete er hier rein autodidaktisch! Wer jemals als Musiker eine von Christians Eigenkompositionen spielen durfte (oder musste….) wird zwangsläufig sein Faible für ungewöhnliche Taktarten und Tonarten kennengelernt haben. Sein Kompositionsstil hat für uns Laien schon einen extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Es ist also kein Wunder, dass die Fachwelt sein Werk „Dido und Aeneas“ 1997 mit dem 2. Preis beim Kompositionswettbewerb Baden-Württemberg ausgezeichnet hat!

Während der Studienzeit gründetet Christian 1979 zusammen mit einigen Studienkollegen das „Marsyas Quintett“, ein klassisches Bläserquintett bestehend aus Querflöte, Klarinette, Oboe, Fagott und Horn. Das ambitionierte Ensemble erreichte binnen kürzester Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad in der Klassikszene. Dies gipfelte in einem 3. Preis beim Kammermusikwettbewerb 1981 in Martigny in der Schweiz. Leider trennten sich die Wege der Mitglieder nach Beendigung des Studiums und das Marsyas-Quintett löste sich auf.

Auch Christian schloss 1981 sein Musikstudium ab und zwar mit der Note „Sehr gut“. Nun folgte ein Jahr mit Bewerbungen und Überlegungen, in welche Richtung die berufliche Laufbahn gehen solle, als zufällig in der Heimat eine Stelle als Küster und Chorleiter vakant wurde. Da Christian auch immer gerne mit Chören arbeitete und von Hause aus mit der katholischen Liturgie vertraut war, war dies eine für beide Seiten perfekte Lösung: Die Pfarrei St. Johannes der Täufer bekam einen Vollblut-Musiker als Organist und Chorleiter und Christian konnte neben seiner Berufstätigkeit weiterhin das Blasorchester Dürscheid dirigieren!

Um einen kurzen Eindruck von einer 40-jährigen Dirigenten-Tätigkeit zu vermitteln, nenne ich nachstehend einige verblüffende Eckdaten:

403 Konzerte hat das Blasorchester unter der Leitung von Christian Wiedemann aufgeführt!

An 12 Wettbewerben hat das BOD in der Höchststufe teilgenommen; Darunter 1981 das erste Wertungsspiel in Heilbronn, bei welchem das BOD unter seiner Leitung in der Höchststufe die volle Punktzahl von 120 möglichen Punkten erreichte. Zuletzt 2014 beim Landesmusikwettbewerb in Soest, wo wir in der Höchststufe Platz eins erreichen konnten. Die durchweg hervorragenden Benotungen der Wertungsrichter sowohl bei Landes- als auch bei Bundesmusikwettbewerben verhalfen dem Blasorchester mit seinem Dirigenten zu einem hohen Ansehen in der Musikwelt weit über die Grenzen Dürscheids hinaus!

Nun aber die bemerkenswerteste Zahl: Unfassbare 1990 Proben, davon 482 Satzproben, hat Christian in den vierzig Jahren geleitet. Hinzu kamen insgesamt 14 Probe-Wochenenden, also komplette Samstage und Sonntage. Hier die Musiker bei Laune zu halten und ständig weiter zu motivieren, gehört sicher zu seinen größten Verdiensten. Die drei bekanntesten Probleme eines Blasmusikers „kein Ansatz, nicht geübt und keine Lust“ hat er sicher mehr als einmal bei jedem einzelnen von uns zu spüren bekommen?!

Wie jedes Laienorchester muss auch das Blasorchester Dürscheid mit dem Umstand leben, dass eine ständige Fluktuation unter den Musikern herrscht: Die Musiker aus dem eigenen Nachwuchs verließen das Orchester früher regelmäßig in Richtung Bundeswehr, heute eher in Richtung Studium; Die älteren Orchestermitglieder geben ihr Hobby aus Altersgründen auf und bei vielen Mitgliedern in mittlerem Alter lassen sich Beruf und Orchester nicht mehr vereinbaren. Ganz sicher ist dies für den Dirigenten ein großes Problem, denn ein eingespieltes Orchester kann im nächsten Jahr aufgrund von Austritten und Neueintritten musikalisch ganz anders aussehen. Dass Christian es trotz dieser Widrigkeiten geschafft hat, das hohe musikalische Niveau des Blasorchesters Dürscheid über vierzig Jahre nicht nur zu erhalten, sondern ihm auch seinen eigenen Stempel aufzudrücken, ist absolut bemerkenswert.

Wir Musiker würden uns wünschen, dieser Zustand könne ewig andauern…. Zumindest für die nächsten Jahre gibt es glücklicherweise auch bei Christian noch Pläne mit dem Orchester: Sowohl ein Landes- als auch ein Bundesmusikfest stehen 2018, bzw. 2019 an und Christian möchte auf jeden Fall noch einmal an einem Musik-Wettbewerb mit dem Blasorchester teilnehmen. Im Interview machte er deutlich, dass motivierte Musiker für ihn den höchsten Ansporn liefern! Also liegt es auch an uns, wie lange wir noch mit Christian arbeiten dürfen.

Konzert des Blasorchester Dürscheid am 22. Oktober 2016 ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle in Dürscheid

Thema: „AMERIKA“

AMERIKA: wer beginnt bei dem Wort nicht zu träumen? Woran denken Sie spontan wenn Sie das Wort hören? An die Metropolen wie New York oder San Francisco? Oder sehen Sie vor Ihrem geistigen Auge eher den Highway 66, die zahllosen Nationalparks und den Grand Canyon?  Vielleicht zieht es Sie aber viel mehr zum südlichen Teil von Amerika: von Mittelamerikas Küsten mit ihren Traumstränden reicht der Kontinent über Wüsten, Dschungel, den Anden bis zum Kap Hoorn.

So vielfältig die Landschaft, so vielfältig ist auch die Musik dieses Kontinents:  Nordamerika verbindet man leicht mit Jazz und Swing; in Brasilien spiegelt der Samba das Lebensgefühl der Bewohner wieder, während in Argentinien der Tango die Menschen verbindet.

Wir möchten Ihnen die facettenreiche Musik dieses wunderbaren Erdteils näher bringen:

Kommen Sie mit auf eine Reise quer durch den amerikanischen Kontinent; bekannte Swing-Melodien wechseln sich ab mit südamerikanischen Klängen…. Bestimmt ist auch eines Ihrer Lieblingslieder dabei!

Wir freuen uns auf einen abwechslungsreichen Abend mit Ihnen!

Der Maestro lässt bitten…….

Sinfonisches Konzert des Blasorchester Dürscheid am 01. April 2017 um 18:00 Uhr in der Aula des Schulzentrums Herkenrath anlässlich des 40-jährigen Dirigenten-Jubiläums von Christian Wiedemann

40 Jahre, was für eine immense Zeitspanne!

1977, als der erst 22-jährige Flötist Christian Wiedemann, die musikalische Leitung des Blasorchesters Dürscheid übernahm:

  • Hieß der Bundeskanzler Helmut Schmidt und man zahlte mit der D-Mark
  • Gingen September und Oktober wegen die RAF-Anschläge als „Deutscher Herbst“ in die Geschichte ein
  • Wurde der KEC erstmals deutscher Meister im Eishockey
  • War der Song „Yes Sir, I Can Boogie“ 8 Wochen lang die Nummer eins in Deutschland!

Erinnern Sie sich? Es hat sich in den letzten 40 Jahren so vieles um uns herum verändert; umso bemerkenswerter ist es, dass ein über die lokalen Grenzen hinaus bekannter Musiker und Dirigent es schafft, 40 Jahre lang ein Orchester auf einem solch hohen Niveau zu halten ohne dass man irgendwelche Abnutzungserscheinungen feststellen kann…

So ereignisreich und vielfältig die vergangenen 40 Jahre für uns alle waren, so unterhaltsam und abwechslungsreich möchten wir auch das diesjährige sinfonische Konzert des Blasorchesters gestalten: Christian Wiedemann hat zu diesem Anlass eine Stückauswahl getroffen, die einen Querschnitt durch die gemeinsame Zeit darstellt.

Von der „English Folk Song Suite“ von R. Williams, einem bunten Reigen englischer Volksweisen über „El Camino Real“ von A. Reed, einer lateinamerikanischen Phantasie bis zum schwierigsten Stück des Abends, dem „Finale“ der Symphonie Nr.1 von Gustav Mahler möchten wir Musiker beweisen, dass Christian es auch nach 40 Jahren immer noch schafft, dem Orchester neue Impulse zu geben und uns zu Höchstleistungen motivieren kann.

Natürlich dürfen an diesem Abend auch „alte Schätzchen“ nicht fehlen: „Grusical-Time“ ist der neumodische Name der früher so beliebten „Krimi-Themen“ aus Film, Funk und Fernsehen. Bestimmt können Sie die Melodien von Maigret und Co. sofort erkennen… Auch der „Trumpet Blues and Cantabile“ von H. James wird Ihnen sofort bekannt vorkommen. Diese Stücke gehören zu den Werken, die sich schon seit Jahrzehnten im Repertoire des Blasorchesters befinden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Reise durch die vier Jahrzehnte Dirigat Christian Wiedemann begleiteten! Ganz sicher wird es ein interessanter und musikalisch anspruchsvoller Abend, der für jeden Musikgeschmack etwas zu bieten hat!

„Legends and Fantasy“

Da uns aus organisatorischen Gründen die Aula das Gymnasiums Herkenrath dieses Jahr nicht zur Verfügung stand, mussten wir unser Konzert in der Dürscheider Mehrzweckhalle durchführen. Sicherlich gab es diverse Bedenken unter uns Musikern, z.B. bezüglich der Akustik oder ob das Publikum den „Umzug“ mitmachen würde?! Umso positiver war die Überraschung, als am Samstagabend ein großer Andrang am Eingang herrschte; eifrig wurden zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt, und den Musikern bot sich ein wunderbares Bild von der voll besetzten Halle!

Doch zuerst durften unsere jüngsten Musiker auf  die Bühne: der Spielkreis unter dem neuen Leiter Roland Pütz hat sich ein völlig neues Repertoire erarbeitet. Von der „Farandole“ über die Titelmelodien von „Men in Black“ und „Rocky (Eye of the Tiger)“ bis hin zu einer Variation von „Smoke on the Water“ der Rockband Deep Purple überzeugten uns die jungen Musiker und erhielten zu Recht tosenden Beifall des Publikums. Insbesondere die frische Moderation des Duos Katja und Marco verlieh dem Auftritt des Jugendorchesters einen beinahe professionellen Anstrich. Herzlichen Dank an alle Kinder und besonders natürlich an Roland für die tolle Arbeit seit einem halben Jahr!

Das Blasorchester, wie immer unter der Leitung von Christian Wiedemann, begann seinen Vortrag mit dem Marsch „Aurum“ von Bert Appermont. Dieser Marsch wurde anlässlich des 50-jährigen Dirigenten-Jubiläums der Stadtkapelle Wolfach (Baden-Württemberg) komponiert; nach 50-jährigem Dirigat darf man wohl von einer „Legende“ sprechen...... Die nächsten Stücke machten es unserem - wie immer charmanten - Moderator Wolfgang Weber dann etwas einfacher bezüglich der Ansage: mit der „John Williams Fantasy“, „Pinocchio“ von Alex Poelman und „The Monk and the Mills“ von Thomas Doss hatte Dirigent Christian Wiedemann drei Stück ausgesucht, die dem Thema „Legends and Fantasy“ voll gerecht wurden; in der „John Williams Fantasy“ werden Themen aus Filmen wie z.B. „ET“ und „Star Wars“ musikalisch dargestellt. Bei „Pinocchio“ wird das uns allen bekannte Märchen von der Holzpuppe, die ein richtiger Junge werden möchte, von den Musikern nacherzählt: neben Pinocchio tauchen natürlich Gepetto, der Vater, die gute Fee, aber auch die bösen Katze und Fuchs auf. Die Legende vom „Mönch und den Mühlen“ ist hierzulande dagegen nicht sehr bekannt: in einem kargen, dunklen Mühltal sind die Menschen freudlos und schwermütig. Erst ein Mönch, der die Menschen das Singen lehrt, bringt wieder Freude und Sonne in das Tal. Das Stück beginnt tatsächlich sehr schwermütig, doch nach einem Mittelteil, in dem wir Musiker teilweise nicht spielten, sondern sangen, entwickelt sich zum Schluss hin ein wunderbarer Choral. Unser Publikum ließ sich sehr gerne von uns mit auf diese Reise in das Land der Phantasie mitnehmen, wie uns der tosende Applaus zur Pause bewies.

Nach der 20-minütigen Pause, in der die Zuschauer sich zahlreich an den vorbereiteten Snacks und vor allem den kalten Getränken labten, eröffnete das BOD den zweiten Teil des Konzerts mit dem norwegischen Konzertmarsch „Valdres“. Das nächste Stück war dann sicherlich einer der Höhepunkte des Abends: „Godzilla eats Las Vegas“ von Eric Whitacre lässt die Zuhörer teilhaben an dem Horrorszenario der Zerstörung einer Metropole durch eine mutierte Großechse! Während in Las Vegas in den Salons gepflegte Tanzmusik gespielt wird, nähert sich das Grauen in Gestalt von Godzilla. Das Publikum fiebert mit den Einwohnern von Vegas mit, die die Gefahr noch gar nicht erkannt haben, muss das ängstliche Gebell eines Hundes mit anhören (Danke Alfons!)  und spürt das Beben der Erde durch die sich nähernde Echse. Soldaten marschieren auf und der Kampf mit dem Reptil wird ein Kampf auf Leben und Tod, während im Konzertsaal der weltberühmte Pianist Liberace ein Konzert gibt. Nach dem fulminanten Finale herrscht plötzliche Stille, ein Pianist spielt entspannte Lounge-Musik und die Musiker feiern auf der Bühne den Sieg über Godzilla. Dies ist wahrscheinlich das einzige Musikstück auf der Welt, bei der in den Noten der Musiker steht, dass zur Feier des Sieges nunmehr mit den Champagnergläsern angestoßen werden soll!!!! Wir haben es nicht gewagt, diese Anweisung zu ignorieren…. Leider dürfen die Menschen in Las Vegas sowie auch unsere Zuhörer sich nicht ganz sicher sein, ob die Echse tatsächlich tot ist; wieder hört man in der Ferne ein leises Donnern….

Nach dieser emotional aufwühlenden Geschichte folgte das Kontrastprogramm: Blasorchester goes Rock! Das Medley „Symphonic Rock“ von Gilbert Tinner verknüpft weltbekannte Songs der Gruppenlegenden „Queen“ und „Genesis“ zu einem Trip durch die Rockwelt der 70-er und 80-er Jahre. Noch etwas weiter zurück liegen die Welterfolge der Gruppe „Deep Purple“, die bereits 1968 gegründet wurde und bis heute als Pionier des Hardrock gilt. Vielen Dank an dieser Stelle an die jungen Herren am E-Bass und der E-Gitarre, die den typischen Rock-Sound für uns erst möglich machten.

Mein ganz persönliches Highlight an diesem Abend war der nun folgende Song „McArthur Park“ in einem Arrangement von G. Buitenhuis. Nach einer temporeichen Einleitung folgt im Mittelteil eine wunderbare Ballade als Flügelhorn-Solo von Thomas: die schmeichelnden Töne erzeugten tatsächlich Gänsehaut pur! Bei solch einem zu Herzen gehenden Musikstück bin ich echt stolz, mitspielen zu dürfen….

Nach der Zugabe „Joropo“  nach Johan de Meij durften wir uns über den großen Beifall des Publikums freuen, das sich sicher noch die eine oder andere weitere Zugabe gewünscht hätte.

Erfreulicherweise war es in Dürscheid anders als in den letzten Jahren in Herkenrath: während dort die Zuhörer nach dem Konzert rasch die Halle verließen, durften wir uns „zuhause“ über zahlreiche Zuhörer freuen, die bereitwillig noch das ein oder andere Getränk zu sich nahmen, bevor sie nach Hause gingen…